Austria

Österreichisches Wörterbuch

Austria

BEGRIFFE: Arbeitslose, Atomkraft, Ausländer, Dump, eh, Freunderlwirtschaft, Geschlechtsverkehr, Helden der Nation, Hump, Inspektor, Koffer, Liebe, Mieselsucht, Mord, einfaches Parteimitglied, Pensionsantrittsalter, Pensionsreform, Postenschacher, raunzen, Regierungskrise, sempern, Sex, Skifoan, Sportreporter, Vertrag

REDEWENDUNGEN: Brauchen's a Rechnung?, Da kamma halt nix machen, I bitt' Sie!, In Summe passt's,  Is eh wurscht, Red' ma drüber, Regen's Ihna net auf!, Schau 'ma mal, sich's richten

Allgemeine Begriffe und ihre Bedeutung in Österreich

Arbeitslosen, die

Sammelbegriff für jene Landsleute, denen es nicht vergönnt war in die mühevoll und penibel gefälschte Statistik der Kursteilnehmer, Weiterbildungsopfer, Teilzeitbeschäftigten, Frühpensionisten, Mütter und Übergangsgeregelten aufgenommen zu werden. Anzahl nach Bruno Kreisky's Amtszeit stetig steigend.

Atomkraft, die - siehe Zwentendorf

Ausländer

Sammelbegriff für all jene Menschen, deren Aussehen von der ÖNORM (illustriert und definiert von Manfred Deix) abweicht. Um als Ausländer bezeichnet zu werden, ist es zwingend erforderlich sich (legal oder illegal) in Österreich aufzuhalten. Einzige Ausnahme sind die sog. Touristen. Um Verwechslungen vorzubeugen sind Touristen dazu angehalten sich durch Fotoapparate, Stadtpläne, oder durch (zumindest vorgetäuschtes) Interesse an Österreich zu kennzeichnen.

Dump, der - siehe Hump

eh - ohnehin, sowieso

Freunderlwirtschaft, die

Beschreibt die Bereitschaft Freunde, Bekannte und/oder deren Freunde bzw. Familie(n) einen Vorteil bzw. eine Besserbehandlung gegenüber allen anderen zu sichern. Bringschuld! Ungeschriebenes Gesetz, daher uneingeschränkt gültig. Personen die der Freunderlwirtschaft zuwider handeln, verlieren im Regelfall alle Freunde. Womit ihr uneinsichtiges Verhalten wieder rational erklärbar ist.

Praktische Anwendungsbeispiele der Freunderlwirtschaft:

  • Ein Polizeibeamter darf Strafmandate nur an Leute ausstellen, die nicht zu seinen Freunden zählen. 

  • Ein Mitarbeiter eines Kinos oder Theaters ist verpflichtet, seinen Freund(en) kostenlose Eintrittskarten zu beschaffen. 

  • Ein Handwerker darf Leistungen, die er für Freunde erbringt, nicht in üblicher Höhe in Rechnung stellen. Preisnachlässe von mind. 50% sind Voraussetzung. Weiters entfällt in diesen Fall die Verrechnung der gesetzlich empfohlenen Mehrwertsteuer. Siehe Brauchen's a Rechnung?

Geschlechtsverkehr, der

Alternative Möglichkeit der gemein-samen Freizeitgestaltung, sollten primäre Optionen (zB. Fernsehen) versagen. Aufgrund der potenziell (!) vielfältigen, daraus resultierenden Probleme (zB. Verhütung, Schwangerschaft, psychische Folgeschäden, etc.) eher unbe-liebt.

Helden der Nation, die

Ganz im Sinne demokratischer Strukturprinzipien (und sentimentalen Erinnerungen an die Monarchie) sind unsere Skirennläufer(innen) die, direkt vom Volk gekrönten (!), Helden der Nation. Schließlich haben wir diesen Sport quasi erfunden und erfreuen uns saisonal daran, dass andere Nationen, trotz österreichischer Seriensiege, überhaupt noch am Wettkampf teilnehmen. Kein Politiker, Popstar, Kabarettist oder Schauspieler kann es mit der Popularität unserer Skistars auch nur annähernd aufnehmen. Welcher dieser Berufsgruppen kann schon ein Dutzend Leute unter den besten 10 unterbringen? Eben! Siehe auch Sportreporter

Hump, der

In der Politik umgangssprachliche Bezeichnung für den österr. Bundespräsidenten. Auch Dump (neue Rechtschreibung).

Inspektor, Herr

Allgemein gebräuchliche Bezeichnung für Polizeibeamte. Unabhängig von ihren tatsächlichen Rang, Geschlecht oder Dienstgrad.

Koffer, der

Dummkopf, Idiot. Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Reisegepäckstück.

Liebe, die

Emotioneller Ausdruck intensiver zwischenmenschlicher Zuneigung. In Österreich Ausdruck spontaner, aber unverbindlicher Begeisterung ("Ich liebe diesen Song."). Kann ebenso das Verlangen nach Geschlechtsverkehr ausdrücken ("Ich liebe dich.").

Mieselsucht, die

Zustand des permanenten Unwohlseins. In Österreich kollektive Lebenseinstellung. Als Kombiwort auch als Bezeichnung für polit. Parteien gebräuchlich ("mieselsüchtige Koffer").

Mord, der

Tötung. Wird primär zur langfristigen Lösung familiärer Konflikte aller Art herangezogen. Daher Österreichs Scheidungsursache Nr. 1. Ansonsten eher ungebräuchlich und entsprechend selten.

Parteimitglied, das einfache

Bezeichnung für den eigentlichen Chef einer polit. Partei. Ist im Regelfall nicht ident mit der Person des Parteivorsitzenden. Im Gegensatz zu den manchmal klar erkennbaren Aufgaben und Befugnissen des Parteivorsitzenden, ist das einfache Parteimitglied weitaus flexibler und ungebundener. Es verfügt darüber hinaus über alle jeweils notwendigen Befugnisse um jederzeit regulierend eingreifen zu können.

Pensionsantrittsalter, das

Markiert den Übertritt vom Berufsleben in den Altersruhestand. Individuell und flexibel gestaltbare Anzahl von Berufsjahren erforderlich. Kann vereinzelt mit den gesetzlichen Empfehlungen harmonieren.

Pensionsreform, die

Beschreibt den Eingriff polit. Parteien in ein marodes Altersvorsorgesystem. Die traditionelle Formel für eine effektive Pensionsreform lautet wie folgt:
Höheres Pensionsantrittsalter (mitunter nicht im Einklang mit der persönlichen Lebenserwartung) + weniger Pensionsanspruch (Defizitrechnung) - Freunderlwirtschaft (Politikerbezüge - siehe sich's richten) = Pensionsreform! Altbewährte Formel, quer durch alle Regierungsfarben. Wird im Regelfall in jeder zweiten Regierungskrise neu beschlossen.

Postenschacher, der

Umgangssprachlich für Koalitionsverhandlungen zwischen polit. Parteien.

raunzen bzw. Raunzer, der

Auch sempern. Defensive Art sich (über etwas oder jemanden) zu beschweren; auch lamentieren, nörgeln. Der Raunzer äußert zwar seinen Unmut, ist aber realistisch genug um sich im Klaren darüber zu sein, dass er ohnehin nichts an der jeweiligen Situation ändern kann (siehe Da kamma halt nix machen) und daher jeder Versuch sowieso sinnlos ist. Dieser Zustand der Ohnmacht und des permanenten Unwohlseins (siehe Mieselsucht) wird mit raunzen zum Ausdruck gebracht. Topthemen der Raunzer sind z. B. Politik(er), das Fernsehprogramm, der Partner/die Partnerin, oder das Wetter.

Regierungskrise, die

Sammelbegriff für einen rhythmisch wiederkehrenden, innerpolitischen Zyklus. Besteht aus folgenden Ph(r)asen: Wahlk(r)ampf, Sondierungsgespräche, Koalitionsverhandlungen (siehe Postenschacher), Regierungsbildung, Angelobung und Amtszeit (optionell). Den Übergang zwischen diesen Ph(r)asen markiert eine öffentliche Partei-Ergreifung des österr. Bundespräsidenten (optionell). Die höchstzulässige Gesamtdauer einer Regierungskrise beträgt 4 Jahre.

sempern - siehe raunzen

Sex - siehe Geschlechtsverkehr

Skifoan - Skifahren; siehe auch Helden der Nation

Sportreporter, der

Berichterstatter bzw. Kommentator eines sportlichen Ereignisses. In Österreich eine primär männliche Domäne, der (!) Artikel ist somit ein ungeschriebenes Regelwerk in der neuen Teutschn Rechz Schreibungs-Dings. Primäre Aufgabenstellung an den österreichischen Sportreporter ist es, österreichische Erfolge entweder enthusiastisch zu kommentieren, oder sie (zumindest) über sein Kommentar zu erzwingen. Darin manifestiert sich ein primäres Unterscheidungsmerkmal zum deutschen Sportreporter, der einen Sieg seiner Landsleute ähnlich intoniert wie die Bekanntgabe des Budgetdefizits. Ein guter österreichischer Sportreporter vermag die unglaublichen Leistungen unserer Helden der Nation so darzustellen, dass sie (unabhängig vom tatsächlichen Ergebnis) für die Zuseher als Erfolg zu werten sind. Sollte also tatsächlich einmal der (eigentlich unmögliche) Fall eintreten, dass wir nicht gewinnen, ist es Aufgabe des Sportreporters, sofort eine Statistik parat zu haben, die uns nachweislich (!) zum Sieger erklärt. Schließlich weiß doch jedes Kind, dass der Medaillenspiegel der olympischen Sommerspiele eigentlich (!) prozentuell zur Einwohneranzahl pro Quadratmeter Alpen, im Verhältnis zur noch nicht vom Transitverkehr verpesteten Bergluft gesehen werden muß! Natürlich ausgenommen von San Marino, das wäre ja sonst (aus rein sportlicher Sicht) unfair...

Vertrag, der

Schriftliche Vereinbarung mit rechtsgültigen Charakter. In Österreich unverbindliche Absichtserklärung mit flexiblen Inhalten. Es wird prinzipiell davon ausgegangen, dass Vertragsbestandteile jederzeit einseitig aufgehoben und / oder geändert werden können. Manchmal wird das sogar mündlich angekündigt (siehe Red' ma drüber). Das ist jedoch keineswegs als zwingend erforderlich anzusehen. Meist wird ein Lösungsszenario - Vertrag plus mündlicher Nebenabrede - angestrebt. Die mündlich getroffene Vereinbarung kann, muss aber nicht, dem Vertrag widersprechen. Weiters hat sie gegenüber dem Vertrag Priorität.

Zwentendorf

Erstes und einziges österreichisches Atomkraftwerk. Erbaut in den 1970er Jahren. Das AKW wurde nie in Betrieb genommen, da nach (!) dem Bau eine Volksabstimmung durchgeführt wurde, die mehrheitlich gegen eine Inbetriebnahme ausfiel. Demokratiepolitischer Wendepunkt in Österreich. Seitdem werden Volksabstimmungen von den Regierungsparteien tunlichst vermieden, da diese Art Volksentscheid gesetzlich bindend wirkt. Weiters ein unwiderrufliches Synonym für die österreichische Haltung zur Atomkraft im Allgemeinen.

Phrasen & Redewendungen richtig verstehen

Brauchen's a Rechnung?

Übersetzung: "Benötigen Sie eine Rechnung?" Diese Frage impliziert primär die Option, eine Lieferung oder Leistung steuerfrei abzurechnen. In diesem Fall entfällt der bürokratische Formalakt einer schriftlichen Rechnungslegung. Dadurch vermindert sich der Preis für den Käufer um mind. 10-20% Die Bezahlung erfolgt, ebenfalls unbürokratisch, in bar. Achtung! "Brauchen's die Rechnung?" bedeutet, ob du einen (bereits ausgestellten) Rechnungsbeleg mitnehmen willst. In diesen Fall wird die Steuer sehr wohl an den Käufer verrechnet. Gewöhne dir also bitte an auf beide Fragen immer mit Nein zu antworten! So fällst du am wenigsten (unangenehm) auf.

Da kamma halt nix machen

Übersetzung: "Hier kann man eben nichts tun." Gebräuchlicher Schlußsatz im lösungsorientierten Diskurs. Impliziert die Feststellung, sich mit einer Situation abgefunden zu haben und keine weiteren Anstrengungen zur Veränderung anzustreben. Impliziert jedoch nicht, die Situation wirklich akzeptiert zu haben! Somit ein perfektes Thema um darüber zu raunzen.

I bitt' Sie!

Übersetzung: "Ich bitte Sie..." Höfliche Aufforderung an den Gesprächspartner sich nicht zu verstellen bzw. nichts vorzutäuschen. Dialogbeispiel (aus dem Leben gegriffen):

A: Wie komme ich zu einem Abonnement?
B: Wir sind über Jahre ausgebucht, aber Sie können sich auf eine Warteliste setzen lassen. So kommen Sie regulär (!) zu einem Abo.
A: (täuscht Überraschung vor): Ahaaaa! Wir können also was machen...
B: (höflich, lächelnd): I bitt' Sie! Wir sind ja in Wien...

In Summe passt's

Übersetzung: "Insgesamt stimmt das Ergebnis." Bezeichnet in erster Linie die Absicht, nicht in Details gehen zu wollen. Unterstreicht die Korrektheit des Endergebnisses. Im Sinne einer Sicht auf's "Große und Ganze" wird erwartet, das Ergebnis als richtig anzuerkennen und nicht weiter zu hinterfragen. Ganz speziell dann, wenn die Vermutung naheliegt, dass der Weg zum Ergebnis unter Umgehung etwaigen Richtlinien und / oder gesetzlicher Empfehlungen erfolgte. Jedwede weitere Detailfrage wird primär als persönlicher Angriff gewertet und ist daher unbedingt zu unterlassen!

Is eh wurscht!

Übersetzung: "Das ist ohnehin egal." Signalisiert, dass der Gesprächspartner das jeweilige Thema nicht fortzusetzen wünscht. Es mag ihm nicht wirklich "egal" (im Sinne von "gleichgültig") sein, jedoch ist davon auszugehen, dass die Konversation als beendet betrachtet wird (Killerphrase).

Red 'ma drüber

Übersetzung: "Sprechen wir darüber." Signalisiert Verhandlungsbereitschaft. Bekundet auch den Entschluss einen bestehenden Vertrag bzw. einen Vertragsbestandteil für unwirksam zu erklären. Siehe Vertrag

Regen's Ihna net auf! bzw. Reg' Di net auf!

Übersetzung: "Erregen Sie sich nicht!" bzw. "Errege Dich nicht!" Gemeint ist übrigens emotionell - nicht sexuell! Wird häufig vor, in, oder während Konfliktsituationen angewandt. Der Angesprochene sollte dann antworten: "I reg' mi eh net auf." ("Ich errege mich ohnehin nicht.") Hiermit ist unmißverständlich klargestellt, dass beide Konfliktpartner eine sachliche Konfrontation austragen. Erst ab diesen Zeitpunkt kann der Konflikt beliebig intensiviert werden.

Schau 'ma mal...

Übersetzung: "Sehen wir einmal (weiter)..." Bezeichnet die strategische Haltung, die Dinge auf sich zukommen zu lassen. Impliziert Passivität, Mangel an Entscheidungswillen und die Tatsache, ohnehin keinen Einfluss nehmen zu können. Dementsprechend populärer Bestandteil im Umgang mit der Zukunft.

sich's richten (können)

Fixe Erwartungshaltung sich über definierte Richtlinien hinwegsetzen zu können. Viel wichtiger als Gesetze, da ungeschrieben. Ist deshalb höchst funktionabel und wird entsprechend gefördert. Siehe Freunderlwirtschaft

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