LOST HIGHWAY - Musiktheater von Olga Neuwirth

Ein Bericht vom Steirischen Herbst 2003

David Lynch's Lost Highway als Theaterstück

Mein erklärter Lieblingsfilm, David Lynch's LOST HIGHWAY, wurde von Olga Neuwirth als Musiktheater inszeniert. Kenner von Lynchs surrealen Zelluloid Mindtrips wissen, dass eine Bühnenumsetzung des abgründigen Stoffs nicht unbedingt einfach ist. Für mich jedenfalls war's Grund genug für eine Reise nach Graz zum steirischen Herbst. Einen Tag nach der Uraufführung (31.10.2003) sitze ich in der zu Lynchland umfunktionierten Helmut List Halle. Direkt im Kopf von Fred Madison...

We've met before, haven't we?

Die ausschließlich schwarzen Kulissen ergeben ein beklemmend düsteres Bühnenbild, welches die Stimmung des Films hervorragend einfängt. Egal wo sich die Figuren auf der Bühne aufhalten, sie wirken immerzu isoliert und verloren. Die Beleuchtung zieht oft messerscharfe Kanten durch die Szenerie und trennt damit die verschachtelte Bühne in verschiedene Schauplätze. Ergänzt wird die Szenerie durch verschiedene Videoprojektionen, vom Mittelstreifen des "Lost Highways" bis zu Mr. Eddy's Pornotapes. Gut umgesetzt!

This Magic Moment

Die Musik des Stücks ist eine komplexe Anordnung von dissonanten "Drones", die zwar keine Ähnlichkeit mit Angelo Badalamentis Filmscore, oder Trent Reznors Tondesign haben, jedoch auf ähnliche Art und Weise funktionieren: Als eine konsequente Instrumentierung der Verstörung. Einzig der "Magic Moment" aus dem Film wurde musikalisch in das Stück eingebaut. Als Alice (Constance Hauman) mit langsamen Schritten vor Pete Dayton (Georg Nigl) promeniert, ist die Melodie des Lou Reed Songs in die Musik eingewoben und läßt, für einen kurzen "Magic Moment", den Film mit dem Theaterstück verschmelzen. Beste Szene!

Is this you? Are both of them you?

Bei den Darstellern zeigt sich leider deutlich die Schwäche dieser Bühnenumsetzung. Vincent Crowly (Fred Madison) und Georg Nigl (Pete Dayton) bieten durchwegs gute Performances. David Moss jedoch entgleitet sein Mr. Eddy leider mehr als einmal zum überdrehten Kasperl. Die kaltschnäuzige Bedrohlichkeit der Filmfigur erreicht er nur in wenigen Szenen. Ähnlich verschenkt ist der Mystery Man (Andrew Watts). Seine Figur demontiert sich durch Aussprache und Gesang selbst. Die beiden Polizisten sind lediglich Clowns, Constance Hauman (Renee / Alice) ist einfach zu emotionslos und die Eltern von Pete sind wohl eher vom Cowboy aus Mulholland Drive inspiriert. Schade!

Funny how secrets travel...

In Summe gesehen hat Lost Highway durchwegs gute Ansätze, aber leider auch viele Schwachpunkte. Der Gesang ist für mich durchaus verzichtbar, weil er die Stimmung des Stücks nicht wirklich zu unterstützen vermag. Der Zusammenhang zwischen Fred und Pete ist noch schemenhafter zu erkennen als im Film und einige (wichtige) Textzeilen tauchen im Theaterstück gar nicht auf. Inhaltlich hat Olga Neuwirth dem Film nichts hinzuzufügen was ich durchaus als Vorteil empfinde. Trotz guter Inszenierung ist eins klar geworden: David Lynch ist eben nicht reproduzierbar! Lost Highway ist jedoch ein durchaus sehenswerter Fehlschlag.

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LOST HIGHWAY (Olga Neuwirth)

FRED MADISON (Vincent Crowly)

MR. EDDY (David Moss)

MYSTERY MAN (Andrew Watts)

PETE DAYTON (Georg Nigl)

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